Dem Nils sein erstes Karneval

Eine ausführliche Bildergeschichte von Dän

Seinen Einstieg bei uns hat unser neuer Mitsänger Nils Olfert bravourös gemeistert, die ersten Konzerte und Touren haben uns allen sehr viel Spaß gemacht. Aber wir sind ja erst seit Januar zusammen unterwegs, und so gibt es natürlich noch einige Punkte, in denen wir einander noch besser kennenlernen müssen. Eine wichtige Frage lautete zum Beispiel:
Wie schlägt sich ein Kieler im Kölner Karneval???

Dass viele Leute Karneval total blöd finden, ist nichts Neues. Darunter befinden sich sogar etliche Kölner, die über die "tollen Tage" die Stadt fluchtartig verlassen. Was ja auch vollkommen in Ordnung ist. Eines stimmt allerdings auch: Karneval in Köln ist ein riesengroßes Volksfest und definitiv ganz anders, als es zum Beispiel in irgendwelchen komischen Sitzungs-Shows im Fernsehen vermittelt wird.

Der Kölner Straßenkarneval beginnt an Weiberfastnacht (Donnerstag) und endet in der Nacht zum Aschermittwoch. Sechs Tage lang feiern zumindest die, die den Karneval nicht hassen, mehr oder weniger ausführlich und intensiv. Am Donnerstag wird der Straßenkarneval um elf Uhr elf "eröffnet". In den Schulen und Kindergärten und auch in vielen Firmen finden Karnevalsfeiern statt, die absolute Mehrheit in Köln läuft an diesem Tag verkleidet durch die Gegend. Man sieht sogar viele alte Menschen, die ganz normal einkaufen gehen - aber eben als Clowns oder sonstwie kostümiert. Das ist schon ein tolles Bild. An diesem Tag darf man übrigens als Frau allen Männern, die in Brauchtumsunkenntnis Krawatte tragen, selbige ungestraft abschneiden.

Der Freitag ist dann ein normaler Arbeitstag, tagsüber sieht man weniger Kostümierte. Abends wird meistens in den Kneipen gefeiert (wegen des Wochenendes sind jetzt natürlich auch jede Menge Touristen da). In den meisten Kölner Kneipen werden für die sechs Karnevalstage alle Tische und Stühle in den Keller gestellt. Die Partys bestehen eigentlich im Wesentlichen daraus, dass man in den meist völlig überfüllten Kneipen steht, ein bisschen "tanzt" (richtig Platz gibt es dafür allerdings nicht), Kölsch trinkt und die Karnevalslieder mitsingt. Es gibt wirkich tausende Karnevalslieder aus und über Köln, so dass andere Musik fast gar nicht gespielt wird.
Meistens ist es bald furchtbar heiß, und weil man ein Kostüm anhat, schwitzt man noch mehr. Der Weg durch die Menge zur Toilette kann schon mal zehn, fünfzehn Minuten dauern, oft steckt man minutenlang im Getümmel fest. Das Ganze mag für Außenstehende ganz grauenvoll klingen, ist aber ein riesengroßer Spaß - wenn man fröhlich und mit netten Leuten feiert.

Am Karnevalssamstag machen viele Leute Privatpartys. Clemens' Fete gibt es zum Beispiel schon seit etlichen Jahren, er muss die Leute fast nicht mehr dazu einladen, alle kommen von selbst.

Der Sonntag kann natürlich ebenso zum Feiern genutzt werden, allerdings legen auch viele Karnevalsfans an diesem Tag eine Pause ein. Das Dauerfeiern geht an die Substanz. Ein klassischer Tag zum Pizzabestellen und DVD-Gucken. Wenn man keine kleinen Kinder hat.

Am Rosenmontag beginnt der große Endspurt. Tagsüber heißt es: "Der Zoch kütt!" - der Rosenmontagszug mobilisiert regelmäßig über eine Million Menschen. Der Zug beginnt schon morgens und endet meist mit Einbruch der Dunkelheit. Zum Aufwärmen geht es für viele gleich wieder in die Kneipen.

Der Dienstag ist der letzte Tag des Karnevals. Tagsüber gibt es zahlreiche kleinere Karnevalszüge in den Stadtvierteln. Und abends steigt in vielen Kneipen die so genannte "Nubbelverbrennung". Der "Nubbel" ist sozusagen die personifizierte Sünde der Karnevalszeit, eine fast lebensgroße Puppe, die meist über den Türen vieler Kneipen sitzt - während der "tollen Tage". Am Dienstagabend um Mitternacht wird der Nubbel in einem Trauerzug unter großem Geheule auf die Straße getragen. Falsche Priester halten eine Trauerrede anlässlich der Verbrennung, die Gemeinde antwortet. Zum Beispiel so:
- "Priester": "Wer wor Schuld, dat mer widder vill ze vill Jeld op der Kopp jehaue han???"
- "Gemeinde": "Dat wor dä Nubbel!!!"
- "Priester": "Un wat soll er dafür???"
- "Gemeinde": "BRENNEN!!!"
So geht das einige Minuten. Der Nubbel trägt die Verantwortung nicht nur für die eigenen Verfehlungen, sondern natürlich auch für die Weltwirtschaftskrise und eventuelle Niederlagen des 1.FC Köln (dass Letzterer am Karnevalssamstag bei Bayern München gewonnen hatte, war hingegen NICHT dem Nubbel zu verdanken...), für schlechtes Wetter und für Kopfschmerzen am Aschermittwoch. Konsequenter Weise wird der Nubbel deswegen angezündet und verbrennt unter dem lauten Gejaule der Trauergemeinde.

Diese pseudoreligiöse Tradition ist natürlich nicht zu ernst zu nehmen. Das Ganze ist ein bisschen eine Persiflage auf christliche Rituale, ohne dass es wirklich unter die Gürtellinie geht. Die meisten Leute sind wirklich traurig, dass der Karneval für ein Jahr vorbei ist. Bei manchen mischt sich darunter aber fast eine gewisse Erleichterung, dass man sich jetzt von den Strapazen des Feierns erholen und mal wieder "richtige" Musik hören kann.

Viele gehen jetzt nach Hause, andere feiern noch weiter. Allerdings läuft jetzt keine Karnevalsmusik mehr, und die Stimmung ist ein bisschen sentimental.

Nils goes Karneval

Unsere Nordtour endete am Tag vor Weiberfastnacht. Nils nutzte die Gelegenheit, um nach Kiel zu fahren. Er besuchte seine Familie und wollte noch einen "großen Geldkoffer" an irgendwelche Handballschiedsrichter übergeben, allerdings hat er das nicht genauer erläutert.
Dadurch verpasste er die ersten Karnevalstage. Sonntagabend war er dann aber wieder in Köln, rief bei mir an und verkündete, dass er jetzt startklar sei für seine Karnevalsfeuertaufe.

Was dann folgte, kann man mit den Worten "ein norddeutscher Jung' im Karnevalstaumel" zusammenfassen. Wir gingen zusammen zum großen Rosenmontagszug, feierten am Abend noch rund sechs Stunden in einer Kneipe, am nächsten Tag wollte Nils unbedingt auch auf den "kleinen" Sülzer Zug, und abends verbrannten wir - erneut nach ausgiebigem Feiern - noch zusammen den Nubbel in Klettenberg. Nils konnte die kölschen Lieder meist schon beim zweiten Refrain mitsingen und hielt - traurig aber wahr - am letzten Abend deutlich länger durch als ich. Und freut sich schon aufs nächste Jahr.

Aber schaut selbst - hier sind ein paar Bilder:


Schlecht: Nils ohne Kostüm.


Besser: Nils mit schlechter Brille.


Noch besser: Nils mit schlechter Brille, seinem alten Biologenkittel, cooler Frisur und Kölsch.


Fast perfekt: Nils mit einheimischem Karnevalsfremdenführer.


Perfekt: Doppelbützje, allmählicher Verlust des regulären Farbspektrums. Nils ist jetzt offiziell Kölner.


Montagabend: Nils verkleidet sich als Duschvorhang...


...erneut mit durchschlagendem Erfolg.

Nils hat die Kneipe in wenigen Minuten...

...als Vortänzer und...


...als Einheizer in seine...


...Gewalt gebracht und...


...alle machen mit!

Weitere Erfolge feiert Nils bei...

...den roten Funken...


...als Luftgitarrist und...


...bei den Jungs.

Auf dem Rosenmontagszug werden wir von einer netten jungen Zugteilnehmerin als Wise Guys identifiziert und wir bekommen...


...jeweils ein "Strüsschen". Zu unserer hellen Freude. Hatte vergessen, Nils zu erzählen, dass man die junge Dame in so einem Fall bützen (wangeküsschengeben) muss. Bzw. darf. Und habe auch selbst vergessen, das zu tun. zwinker


Einer der großen "Themenwagen". Aus dem Himmel sagt der legendäre Kölner (Nachkriegs-)Kardinal Frings das, was er den Kölner schon nach dem Krieg "erlaubte": Dass man in einer existenziellen Notlage zum Beispiel Nahrung oder Kohle klauen dürfe, ohne dass das nach seinem Verständnis eine "Sünde" sei. Und angesichts der Wirtschaftskrise sei es wohl bald wieder legitim, das so genannte "Fringsen".


Christoph Daum, der Trainer des FC, fuhr übrigens auch "in echt" mit.

Natürlich macht Nils als Karnevalsneuling auch noch ein paar (verzeihliche) Fehler:


Sehr uncool: Regenschirm auf'm Zug.


Noch uncooler: Fotos machen. Oh, Moment, das hab ich ja auch gemacht.... :-D

Am Dienstag ergibt sich noch mal die Gelegenheit, auf dem kleinen Sülzer Zug zu üben:


Eddi ist wieder "schlechter Elektriker".


Dreimol null is null!!!


Auch in diesem Bild halten sich drei Wise Guys versteckt.

Der Dienstag ist gekommen. Noch ist die Stimmung bei unserem jungen norddeutschen Freund blendend.


Nils freut sich über das Vogelkostüm aus der großen Karnevalskiste bei uns zu Hause.


Und auch der Nubbel thront noch würdevoll über der Kneipe. Doch schon bald...


...wird er durch tanzende Gemeinde auf die Straße getragen und angezündet.


Es ist vorbei...


...aber nächstes Jahr ist Nils garantiert wieder mittendrin.

Wer die leichte Trauerstimmung etwas besser nachvollziehen will, sollte sich übrigens mal das Lied "Aschermittwochmorje" von Brings anhören. Fängt die Atmosphäre sehr gut ein.

Demnächst hier: Wie verkleidet sich eigentlich Ferenc???

Nun, Ferenc ist natürlich längst ein echter Karnevalsprofi. Er weiß: Ein gutes Kostüm muss nicht teuer sein. Man schaut einfach, was man...


...im Haus hat und kreiert daraus...


...ein schickes und stimmungsvolles Karnevalsoutfit.






 
 
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