Die Wise Guys in England:
Unser Studio-Tagebuch:
Dienstag, 30.8.
Um acht Uhr morgens (!!) setzt sich der Wise-Guys-Van am Büro in Köln-Sülz in Bewegung. In diesem dynamischen Zustand verweilen Eddi, Ferenc, Dän und Gesangscoach Erik Sohn (Sari und Clemens kommen erst abends mit dem Flieger nach) bis kurz vor dem Brüsseler Autobahnring. Hier werden sie Teil eines über vierzig Kilometer langen Staus, der sie die 14:00-Uhr-Fähre in Calais verpassen lässt.
Erik und Dän genießen trotzdem den WInd und die Sonne an Deck.
In England gewöhnt Ferenc sich recht rasch an die Tatsache, dass man hier auf der vermeintlich falschen Seite fährt (was letztlich natürlich eine Frage der Perspektive ist). Am frühen Abend erreicht der Van die Jacobs Studios südwestlich von London.
Alles hier ist sehr ländlich. Grüne, hügelige Landschaften, enge Straßen, die von hohen, dichten Hecken umsäumt werden, Schafe, Rehe - einfach schön.

Erste Lagebesprechung im Garten.
Im Studio werden die Zimmer eingeteilt. Uwe "Uwwe" Baltrusch, unser Produzent, ist schon einen Tag früher angereist, um die Aufnahmen vorzubereiten und um sicherzustellen, dass er das beste Zimmer bekommt. Erik und die Band müssen mit dem Rest vorlieb nehmen. Eddi und Dän teilen sich ein Zimmer.
Zum Personal des Studios gehört eine Köchin, die die gängigen Klischees der miserablen englischen Kueche eindrucksvoll widerlegt: Lasagne und Salat sind köstlich. Uwwe hat mit einigen mitgebrachten Fässern Gaffel-Kölsch (die er der Band nachher auf die Rechnung setzen wird) ebenfalls zum guten Gelingen des ersten Abends beigetragen. Auch die spät eingeflogenen Sari und Clemens fügen sich vergleichsweise klaglos in das Schicksal, das sie nun knapp zwei Wochen hinnehmen müssen.
Mittwoch, 31.8.
Alle haben so weit ganz gut geschlafen. In Eddis und Däns "Cottage" mussten vor dem morgentlichen Duschen erst einige Kleinst-Tiere aus dem Badezimmer geleitet werden, ansonsten ging's.Frühstück gegen neun. Wer es noch nicht wusste: Englischer Toast ist tatsächlich noch weicher als der deutsche und lässt sich mit geringem Kraftaufwand auf die Größe einer kleinen Lindt-Schokoladenkugel zusammenkneten. Außerdem bestaunen wir alle "MARMITE", den "Brotaufstrich auf Erdöl-Basis" (Erik), der zwar übel riecht, aber noch beschissener schmeckt. Wer isst so was???

Uwe "Uwwe" Baltrusch versucht weiterhin, die Produktion technisch vorzubereiten. Weil das bis zum späten Nachmittag dauert, proben die Wise Guys mit Erik fast den ganzen Tag im Nebenraum, unterbrochen nur von kurzen Pausen (und dem obligatorischen Sprung in den erfreulich kalten Pool).
Am frühen Abend ist das Studio so weit hergerichtet, dass die Wise Guys sich um das Mikro scharen, um Voraufnahmen zu machen, mit denen das Tempo der aufzunehmenden Songs ermittelt wird. Das ist komplizierter, als man vermuten würde, und dauert bis zum späten Abend. Der Besuch des lokalen Pubs, der angeblich schon seit dem 15.Jahrhundert als solcher fungierte, rundet den Tag ab.
Donnerstag, 1.9.
Mittlerweile haben wir uns richtig eingelebt. Das Wetter hält sich erfreulich gut. Das Essen ist trotz neuer Köchin gleichbleibend fantastisch und die Stimmung insgesamt locker und entspannt. Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück. Ab 11 wird dann einzeln oder in der Gruppe mit unserem Gesangslehrer Erik geprobt, während gleichzeitig im Studio nebenan die ersten Spuren eingesungen werden. Unser Produzent hat als neues Hobby den fragwürdigen Gebrauch einiger Femdwörter für sich entdeckt. "Man hat mir gestern avisiert, dass ab heute der Internetzugang stabil funktioniert". Und tatsächlich können wir endlich alle unsere E-Mails Abrufen oder an der Homepage basteln.

Eddi und Sari genießen eine kurze Pause vom permanenten am-Pool-Rumlümmeln und nehmen im Studio ihre Stimmen auf.
Dass in den ersten Tagen unserer allerersten englischen Studiosession dennoch nicht immer alles nach Wunsch klappt, könnt Ihr auch hier in einem winzig kleinen Clip nachprüfen (einfach auf die Kamera klicken):

(Die Datei liegt im MP4-Format vor. Wer keinen entsprechenden CODEC hat, kann sich diesen auf folgender Seite runterladen: www.3ivx.com)
Freitag, 2.9.
Das Lotterleben hat endgültig ein Ende. Uwwe, der gnadenlose, hat uns im Studio angekettet und lässt uns nur einmal am Tag für eine halbe Stunde an die Sonne. Die haben wir heute genutzt, um Fußball zu spielen - nach eigenen Regeln: Statt eines Tores muss man einen blauen Plastiksessel treffen und jeder Spieler darf den Ball nur zweimal hintereinander berühren. Jetzt müssen wir wieder zurück ins Studio, Uwwe rasselt schon nervös mit den Ketten.
Samstag, 3.9.
Es wird Zeit, ein erstes kleines Fazit zu ziehen: Wir haben es hier sehr gut angetroffen, schaffen mehr als im vergleichbaren Zeitraum zu Hause, spielen täglich Fußball und hüpfen anschließend in den Pool und haben erfreulich unenglisches Wetter. Heute Abend wollen wir Fish & Chips essen und anschließend in den Pub gehen, also quasi einen schönen Wochenendabend verbringen.
Unbehagen bereitet uns einzig die Frage nach der Bademode. Saris Badeanzug spaltet die anwesende Belegschaft in zwei Lager: In Befürworter (Sari) und Kritiker (der Rest). Aber urteilt selbst:

Hier steigt Sari in seinem Badeanzug aus dem Pool

Kaffee im Garten. Dän trägt ein T-Shirt, das er schon am Dienstag anhatte, und provoziert damit schnippische Kommentare im Gästebuch.
Der Samstag läuft weiterhin so fantastisch, dass wir uns den freien Abend immer redlicher verdienen: Sari hat gerade eine Lead-Vocal-Performance (Hauptstimmendarbietung) von "Denglisch" hingelegt, die so perfekt war, dass er zur Belohnung in den Pool springen und dort ein blödes Gesicht machen darf:

Sari nach perfekter Leistung mit blödem Gesicht im Pool.
Ben, der Studio-Assistent, hat uns für 20:00 Uhr zwei Taxen bestellt, die uns nach Farnham bringen werden. Bis dahin wird noch Ferenc aufgenommen, Eddi probt mit Erik und Sari bleibt im Pool.
Dann der Fish&Chips-Abend. Was als harmloser Ausflug ins nahegelegene Farnham geplant war, eskaliert zu einem extremen Überlebenskampf. Zunächst die Fish&Chips: Wir kaufen sie im "Traditional Plaice" (ein Spiel mit den Worten "Place" (Ort) und "Plaice" (Scholle)). Wir nehmen die fettigen, frittierten, in Salz und Essig getränkten Riesenlappen direkt an der Hauptstraße in einer Reihe auf dem Mäuerchen sitzend ein - und zwar direkt vor der örtlichen Police Station.

Die romantische Picknick-Runde vor der Police Station.
Lecker waren die Fish&Chips schon. Das Ganze befindet sich auch noch in der Downing Street! Überraschender Weise ist sogar Tony Blair (dank zähen Verhandlungen unseres Produzenten Uwe Baltrusch) heute abend für Fish&Chips mit den Wise Guys zu haben, leider vergessen wir aber, den Ausflug mit dem Premier fotografisch festzuhalten. Daher an dieser Stelle nur ein Bild mit dem Straßenschild. Tony Blair über die Wise Guys: "Great guys, I hope they get better soon."

Lockeres Gruppenbild ohne Tony Blair.
Später nehmen wir im "William Cobbett" einige Pints verschiedener Biere und Temperaturen zu uns. Es ist zu unserer Überraschung das "In-Lokal" von Farnham, und es gibt einen Außenbereich, in dem wir uns die interessanteren Auswüchse des englischen Nachtlebens anschauen können. Dazu zählen junge Männer, die bereits um 22 Uhr in die Hecke kotzen und danach munter weitertrinken. Toll, diese Sperrstunde.

Statistisch gesehen haben nur zwei von drei Männern Spaß an Kneipenbesuchen. Aber was sagen Statistiken schon aus?
Um 23 Uhr sind "Last Orders", und wir bestellen ein Taxi. Pustekuchen - wir versuchen, ein Taxi zu bestellen, doch man informiert uns, dass wir bis etwa 1:30 Uhr warten müssen, bis wir Chancen auf ein Taxi haben. (Unser besonderer Dank gilt an dieser Stelle unseren Taxifahrern auf dem Hinweg nach Farnham, die uns über diesen Umstand überhaupt nicht informiert haben, obwohl (oder weil?) sie bemerkt haben dürften, dass wir nicht aus der Gegend sind.) Auch Anfragen in der Lobby eines Hotels und bei verschiedensten Taxi-Nummern ergeben stets dieselbe Auskunft: Bis mindestens halb zwei nichts zu machen.
Unsere Ratlosigkeit währt nur Sekunden, nur ein paar hundert Sekunden. Was tun - zweieinhalb Stunden rumhängen? Oder laufen? Wir laufen. Es gibt nur vier kleine Probleme:
a) Es ist hier auf den Straßen richtig dunkel. Wer in einer Großstadt lebt, kann sich das gar nicht so richtig vorstellen.
b) Die Straßen sind sehr schmal. Wer noch nie in England auf dem Land gefahren ist, weiß nicht, wie schmal die Straßen hier sind. Links und rechts sind sie meist von Mauern und Hecken gesäumt, was das Ausweichen von Autos erschwert.
c) Wir befürchten, dass nicht alle Bewohner der umliegenden Dörfer es so genau nehmen wie wir, was Alkohol am Steuer angeht. Daher machen herannahende Scheinwerfer uns etwas nervös.
d) Außerdem hat sich Uwe mit 27 Jahren die Ferse gebrochen und ist nun "nicht so gut zu Fuß". Alle paar hundert Meter lässt er Sprüche wie "Lasst mich nur allein zurück, ich schaff' das schon" und "Ich komm' schon durch" von sich.
Wir stolpern also eine Dreiviertelstunde lang durch die Dunkelheit (zum Glück finden wir den Weg - sonst wäre es eine lange Nacht geworden) und hoffen, dass uns kein Auto erwischt.

Die Nachtwanderer wider Willen kurz vor dem ersehnten Ziel.
Wir haben Glück und kommen alle heil wieder im Ridgeway House an, wo wir vor Erleichterung uns gemeinsam ins Wohnzimmer setzen und Sakropop-Songs anstimmen. Wenn das uns mal nicht als Gruppe zusammengeschweißt hat! Das eine oder andere "Fosters" soll dabei auch noch den Weg aus dem Kühlschrank gefunden haben. Fazit: Gute Nacht!
Sonntag, 4.9.
Trotz der nächtlichen Odyssee finden sich alle pünktlich um 10:00 Uhr zum Frühstück ein. Ein kleines Detail-Problem: Der Engländer an sich haut sich sein Frühstücks-Ei lieber in die Pfanne. Deshalb findet sich im Jacobs Studio nicht ein einziger Eierbecher. Uwwe zeigt auch hier wieder die größte Kreativität:

Uwwes Serviette-in-Glas-Eierbecher.
Eigentlich sind alle mit den Mahlzeiten ganz zufrieden. Lediglich Clemens scheint ab und zu eine Extrawurst haben zu wollen:

Clemens mit seiner deutschen Extrawurst.
Unser tägliches Fußballspiel - weil Erik mitspielt, können wir "drei gegen drei" spielen, was andernfalls schwierig geworden wäre, entscheiden heute Sari, Dän und Ferenc für sich. Hier die Höhepunkte des Spiels:

Vorbildlicher Doppelpass-Konter, Eddi läuft ins Leere, Ferenc macht das 1:0, in dem er die Armlehne des aufblasbaren Sessels trifft.

Wo ist der Ball?

Rekordverdächtiger Spätsommer in England...

Alle Zweikämpfe sind hart, aber fair.
Der internen Etikette folgend gestaltet die siegreiche Mannschaft die Freude über ihren Erfolg sehr dezent und zurückhaltend, um die Unterlegenen nicht zu frustrieren:

Aber die Emotionen müssen natürlich ein bisschen raus.
Schreck in der Abendstunde: Ein heftiges Gewitter direkt über uns löst einen knapp zweiminütigen Stromausfall aus. Für eine Weile ist unklar, ob die Aufnahmen des Tages verlorengegangen sind. Aber die Sache geht glimpflich aus.
Montag, 5.9.
Heute bekommen wir ein englisches Frühstück zum Mittagessen (!):



Spiegelei, Bacon, Baked Beans, Sausage....ein englisches Frühstück ist ein Genuss...

...auch in der Light-Version, solange die innere Einstellung stimmt.

Die Tafelrunde.
Das reichhaltige und gute Essen setzt eine bemerkenswerte Kettenreaktion in Gang: Es zwingt uns, zweimal täglich Sport zu treiben (Fußball). Durch das sommerliche Wetter müssen wir im Anschluss in den Pool springen, was wir aus Gründen der Ehrlichkeit für unsere Homepage fotografisch dokumentieren. Das wiederum verleitet einige unserer Fans zu der irrigen Annahme, wir befänden uns hier quasi in einem Ferienheim und lägen den ganzen Tag am Schwimmbecken.
Das ist natürlich kompletter Unsinn. Uwwe hat einmal mehr die rettende Idee: Er schlägt vor, wir sollten einfach zur Abwechslung mal ein paar Bilder ins Tagebuch setzen, die uns beim Arbeiten zeigen. Brilliant. Da wären wir so nicht drauf gekommen.
Erik, unser Gesanglehrer, verlässt das Studio, um für einen Tag nach Deutschland zurück zu fliegen, wo er einen wichtigen privaten Termin hat. Wir versuchen, ihm den Abschied durch Coolness so leicht wie möglich zu machen:





Zum Glück kommt Erik am Dienstag wieder...
Und hier die BILDER VOM ARBEITEN!!!

Sari nutzt hier das Mundschlagzeug-Mikrofon, um ein paar ergänzende Percussion-Effekte einzusingen....

....dabei wie immer kritisch, aber freundlich überwacht von Eddi und Uwwe.
Allerdings arbeiten wir hier nicht nur rund um die Uhr an den Song-Aufnahmen, sondern versuchen parallel, uns auf anderen Gebieten weiterzuentwickeln. Eddi übt hier zum Beispiel das professionelle Posen für ein professionelles CD-Fotoshooting...

...nach dem Vorbild eines professionellen Models namens Cassie Laine.

Sari, Eddi und Uwwe hören die Aufnahmen ab. Aus akustischen Gründen stehen sie dabei traditionell genau HINTER den Boxen. Da ist es nicht ganz so laut.

Das Mischpult im Studio hat übrigens ganz doll viele Knöpfe, von denen jeder eine andere Funktion übernimmt. Uwwe kennt alle Knöpfe mit Vornamen.
Ein paar Leute wollen gerne wissen, wie wir im Studio unsere Songs aufnehmen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aber ein gängiges Verfahren ist, dass wir uns zunächst zu fünft in den Aufnahmeraum begeben und einen neuen Song mehrfach in verschiedenen Tempi aufnehmen, um diejenige Lied-Geschwindigkeit zu ermitteln, die wir für die beste halten. Wenn das erfolgt ist, geht der Leadsänger alleine in den Aufnahmeraum und singt eine vorläufige Version der Melodiestimme ("Guide Vox"). Die Guide Vox muss noch keine besonderen Interpretationsmerkmale aufweisen; lediglich Tempo und Intonation müssen stimmen, damit sich die anderen Stimmen dem später exakt anpassen können. Der Leadsänger hört bei dieser Aufnahme über Kopfhörer die Klavier-Akkorde und den Takt (als Klick).
Falls es in dem Song ein Schlagzeug gibt, wird dies als nächstes aufgenommen. Meistens ist Dän dabei gefordert. Er benutzt dafür das Mikrofon, das auf dem oberen Bild gerade der Sari bearbeitet. Das Mikrofon gehört Uwwe, der angesichts der beim Mundschlagzeug unausweichlich in den Poppschutz gejagten Speichelmengen häufig den Tränen nahe ist.
Nach und nach werden alle Stimmen aufgenommen. Dann kommt am Schluss erneut der Leadsänger an die Reihe. Er kann sich jetzt in das "gemachte Bett" des fast komplett aufgenommenen Liedes legen, wird allerdings auch besonders kritisch von Uwwe und Eddi bzw. Dän "abgehört". Jetzt müssen auch das Gefühl und das Temperament stimmen.
Manchmal entsteht am Ende einer solchen Aufnahme der Eindruck, dass noch irgendetwas fehlt. Dann beginnt ein kreativer (und oft sehr, sehr unterhaltsamer) Prozess, an dem jeder, der Lust hat, sich nochmal hinters Mikro stellt und Ergänzungen ausprobiert. Sari hat da oft geniale Ideen. Allerdings nehmen wir manche Songs auch exakt so auf, wie wir sie auf der Bühne singen.
Dienstag, 6.9.
Wir brauchen dringend neues Mineralwasser ohne Kohlensäure (gerne aus Frankreich), Cola light, Dosenbier und eine Packung German Extrawurst. Deshalb begibt sich eine kleine Abordnung nach Farnham zum Einkaufen bei "Sainsbury's". Neben der Gemüsetheke, die wir weiträumig umfahren wollen, kollidiert unser Einkaufswagen mit dem eines älteren englischen Ehepaares, das fahrlässiger Weise auf der rechten Seite geschoben hatte. Wir regeln die Sache ohne die Polizei, die wahrscheinlich ohnehin sauer auf uns ist, weil es im gesamten Revier immer noch nach unseren Fish&Chips duften dürfte.

Erik packt mit an beim Verladen der erstandenen Güter und setzt diese Hilfeleistung als "besondere Gesangsstunde" mit auf die Rechnung. Das ist insofern gerechtfertigt, als er heute eigentlich gar nicht hier, sondern in Deutschland ist, und erst morgen wiederkommt. Der Verfasser dieses Tagebuchbeitrags hat einen Fehler gemacht, ist aber nicht bereit, ihn zu korrigieren.
Wir haben Besuch aus London: Eddis Schwester Janna ist mit ihrem Mann Alex über Nacht bei uns gewesen - in Eriks (leerem) Zimmer.

Janna und Dän im Probenraum, rechts Alex. Eddi (im Hintergrund) ist gerade wahnsinnig geworden.

Janna ist Musikerin und begleitet Clemens spontan bei ein paar Schumann-Liedern.
Für unsere Gäste machen wir ein kleines Privatkonzert und singen ihnen die sechs Titel vor, die wir gerade aufnehmen und die wir noch auf keinem einzigen Konzert gemacht haben. Leider stehen wir dabei so nah vor ihnen, dass wir nie alle zusammen aufs Bild passen. Deshalb gibt es zwei Konzertaufnahmen:


Teilweise noch mit Noten, aber klingt schon ganz okay...
Mittwoch, 7. 9.
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Arbeit. Wenn man als Sänger hinter dem Mikro steht, ist es natürlich ungemein wichtig, die wertvollen Anregungen unseres Produzenten Uwwe bestmöglich umzusetzen. Da unser geliebtes Lockenköpfchen sich aber mitunter etwas verdreht ausdrückt, spielt die nonverbale Komponente der Produzenten-Künstler-Kommunikation die zentrale Rolle. Der geschulte Blick in das Angesicht unseres Produzenten verrät mehr als tausend Worte. Ein paar Beispiele:

Totale Scheiße! Ab zum Erik. Das ist ja nicht zum aushalten.

Bis jetzt die beste Leistung, habe aber leider den falschen Knopf gedrückt... nochmal bitte!

hihi dum dum bao bao sup zup... ihr seid so lustig, eure Lieder sind so lustig... nochmal bitte!

Ich könnte das besser. Und besser aussehen tue ich auch.

Das war großartig! Du kannst rauskommen und Dir Dein Haribo abholen.
Die mentale Belastung, die durch diese Kommunikation entsteht bauen wir wie üblich durch Fussballspielen ab.

Statt schnödem Rumgekicke erfreuen mehr und mehr fließend-ästhetische Bewegungsabläufe das Auge.
Donnerstag, 8. 9.
Heute macht sich zunächst Faulheit breit. Und zwar sehr breit in unserem Produzenten Uwwe, der nach dem Mittagessen unbedingt einen kleinen Ausflug in die Stadt machen will, obwohl er nur 9 Tage ohne Pause gearbeitet hat. Begeistert stimmen wir zu.
Während wir Uwe an einer Hauswand abstellen, damit er sich ein bisschen die Leute angucken kann,

Was gibt es Schöneres, als das Lächeln im Gesicht eines wahrhaft glücklichen Menschen?
gehen die anderen einen Kaffee trinken. Das erweist sich als Glücksgriff, denn die - zwar sehr langsame - Kellnerin ist die 4.-schönste Frau der Region.

Die Schönheit liegt - wie immer - im Auge des Betrachters.


Nach zwei Stunden holen wir Uwe wieder ab, der beim Betrachten der Balkone des Hauses gegenüber in eine mentale Dysfunktion geraten ist. Sanftes Tätscheln bringt ihn schnell wieder auf die Beine.

Wieder daheim gelingt es Eddi durch Rückwärtssprechen des 4. Harry Potter Bandes ein auf der Wiese hinter dem Haus liegendes Rohr in einen waschechten Flugbesen zu verwandeln, der ihm prompt durchgeht und wie wild über den Rasen flitzt.

Eddi in seiner traditionellen Zauber-Unterhose.
Doch Eddi lässt sich nicht von jedem Besen ins Bockshorn jagen. Mit einem beherzten Sprung schnappt er den Besen

und bringt ihn

langsam

wieder unter Kontrolle.
Schließlich hält er ihn nur mit der Kraft seiner Gedanken und Dank seiner Hose am Boden.

Freitag, 9. 9. / Samstag, 10.9.
Wir sollten uns nix mehr vormachen: Unsere England-Zeit geht stramm dem Ende entgegen. Um mal die nüchternen Fakten sprechen zu lassen: Wir haben jetzt insgesamt elf Lieder (fast) komplett fertig eingesungen, die dann wohl auch höchstwahrscheinlich nächstes Jahr im Mai auf unserem neuen Album landen werden. Den einen oder anderen Titel werden wir schon bald in unser Live-Programm einbauen.
Am Freitag muss Ferenc noch mal ran. Er singt die Bass-Stimme von "Mad World" ein. Unser Produzent Uwwe hatte sich die gesamte Studiozeit ein pädagogisch höchst erfolgreiches Belohnungskonzept ausgedacht, dass er auch heute bei Ferenc anwendet: Wer seinen Part gut präsentiert hat, bekommt ein Gummibärchen aus der größen Haribo-Dose, die auf dem Mischpult steht. Wer es besonders gut gemacht hat, bekommt zwei, und wer richtig phänomenal war, darf sich sein Candy sogar selbst aussuchen. So bleiben wir stets hochmotiviert.

Ferenc hat sich definitiv Uwwes tolle...

...Belohnung verdient!
Wir wagen es kaum, die intensiven Studioarbeiten zu unterbrechen. Lediglich eine ganz kurze Pause nutzen, wir um im Internet...

...die Höhepunkte...

....des TV-Duells Schröder gegen Merkel zu verfolgen.
Eddi schlägt vor, wir sollten an unserem vorletzten Abend doch noch mal so richtig auf die Pauke hauen,...

...und geht mit gutem Beispiel voran, indem das studio-eigene Vibraphon brutal attackiert.
Abends in einem Pub muss Eddi schmerzhaft erkennen, dass manche Engländerinnen...

...miteinander wesentlich vertraulicher umgehen...

...als mit Ausländern.
Am Samstag heißt es für Erik Abschied nehmen. Er muss einen Tag früher nach Hause, weil er angeblich "dringend Urlaub" braucht. Deshalb macht er schon während der morgentlichen Probe "Winke winke".

Außerdem will er sich auch bald einen weißen Flügel kaufen.
Die Zeit ist reif für einen zünftigen Abschiedskick, den wir eigentlich live im Internet übertragen wollen. Aus senderechtstechnischen Gründen hier leider nur die Highlights im mittelgroßen Format:










Unser letztes "Spiel mit zwei Ballberührungen auf aufblasbare Pool-Sessel" endet unentschieden, und man könnte fast meinen, die Luft sei...

...ein bisschen raus.
Etwas melancholisch versammeln wir uns zur stillen Einkehr und Reflexion auf die letzten beiden Wochen....

...an dem Ort in den Jacobs Studios...

...der uns ganz besonders...

...ans Herz gewachsen ist. Allen ist in diesem sentimentalen Moment bewusst, dass es nicht leicht wird, sich wieder in der Zivilisation zurecht zu finden.
Vor der Abreise sagen wir zum Abschied leise "Servus":

"TSCHÖÖÖ-HÖÖÖÖÖÖÖÖÖ!!!!!!"
Ende
| Sa., 11.02.2012 | Mannheim |
| So., 12.02.2012 | Mannheim |
| Mo., 13.02.2012 | Freiburg |
| Di., 06.03.2012 | Mainz |
| Mi., 07.03.2012 | Würzburg |










