So war’s im Wilden Norden:
So war's im Wilden Norden. Das Tagebuch der Mini-Tour
Jede Menge Spaß und eine erfolgreiche Tour hatten wir in der vergangenen Woche in Norddeutschland. Bei Touren macht man ja auch immer die tollsten Schnappschüsse:
In Oldenburg (25.3.) konnten wir 250 Zuschauer begrüßen - nicht schlecht gemessen daran, dass wir vorher noch nie dort aufgetreten waren. Unvergessen die "Rollos", die wir vor dem Konzert in einer kleinen Oldenburger Pizzeria zu verzehren versuchten, von denen aber keiner von uns mehr als die Hälfte schaffte. Selten hat die Zeile des ersten Liedes, "ich hab mich vor Konzertbeginn noch überfressen!", einen größeren Wahrheitsgehalt gehabt als an jenem Abend. Schön auch der verfrühte Licht-Blackout nach dem zweiten Refrain von "Skandal", wir standen im Dunklen, die Leute klatschten und wir mussten dann trotzdem noch schnell zu Ende singen. Außerdem hatten wir erstmals bei einem Konzert fünf Ordensschwestern im Publikum; die Älteste 87 Jahre alt und Saris Großtante.
Nach der Show begaben wir uns noch auf die nächtliche Oldenburger "Wallringsause", die uns jedoch nur sehr eingeschränkt begeisterte. Alle Kneipen waren bis spät in die Nacht geöffnet, vor jeder Tür standen Hunderte von durstigen oder betrunkenen jungen Menschen der Altersklasse 14-49 (Kernzielgruppe des Werbefernsehens), und überall lagen zerbrochene Bierflaschen und -gläser. Dafür braucht man nicht unbedingt nach Oldenburg zu fahren; das Kölner Ringfest hat die selben Attraktionen zu bieten, nur zehnmal schlimmer.
Wir kehrten schließlich mit einigen Einheimischen im "Florian" ein, warteten 35 Minuten auf die Kellnerin, tranken aus und hatten dann vergessen, wo wir unser Auto geparkt hatten. Dadurch sahen wir dann noch den kompletten Ortskern von Oldenburg, bevor wir unser Hotel "Zum schiefen Stiefel" aufsuchen konnten.
Eddi behauptete am nächsten Morgen, ich hätte geschnarcht, und mit dieser haltlosen Unterstellung erschlich er sich für den Rest der Tour ein Einzelzimmer.
Am Sonntagnachmittag hatten wir ein Interview bei OK Radio Umland, dass wir später in die Kategorie "höchst unterhaltsam" verbuchten (der Moderator war nicht so furchtbar konzentriert: "Ich begrüße fünf rheinische Jungs aus Düsseldorf!"). Auf jeden Fall lag das Studio sehr schön mitten im Wald.
Über Cloppenburg (26.3.) als solches können wir irgendwie gar nicht so viel sagen...wir hatten leider keine Zeit. Das Publikum beim Konzert war zahlenmäßig etwas schwächer als in Oldenburg, erklatschte sich jedoch auf beeindruckende Weise fünf Zugaben. Da man uns im Vorfeld darauf hingewiesen hatte, dass das Cloppenburger Nachtleben nicht unbedingt zum touristischen Pflichtprogramm gehört, fuhren wir noch in der Nacht nach Hamburg weiter. Im Hotel "Stadt Altona" hatten Ferenc, Eddi, unser Konzertagent Michael Schweiger und ich nachts um 2:30 Uhr eine beeindruckende kafkaeske Begegnung mit einem grenzdebilen Hotelportier, der zwar Sari und Clemens fehlerfrei den Zimmerschlüssel aushändigte, anschließend jedoch den Unterschied zwischen Einzel- und Doppelzimmer nicht mehr logisch erfassen konnte und dann kurzfristig minutenlang die Sprache verlor.
Am Montagvormittag hatten wir ein längeres Fernsehinterview und sangen drei Lieder (Skywalker, Oh Scheiße, Nein nein nein) beim privaten Hamburger Fernsehsender HH1, wo es überraschend nett war. Unter anderem trafen wir in dieser Sendung den Kabarettisten Hans Scheibner, der ein Stück aus seinem neuen Programm vortrug.
Da wir uns mit unserem Van, den wir mitten auf der Mönckebergstraße geparkt hatten, frühzeitig einen taktischen Strafzettel erworben hatten, konnten wir noch ohne Zeitdruck durch die City bummeln.
Hamburg ist toll. Nur die Touristen nerven.
Der Konzertabend in Hamburg (27.3.) war insgesamt vielleicht der schönste der Tour. Ein sehr gutes Publikum, deutlich mehr Zuschauer als 1999, ein netter Afterglow im "Erfrischungsraum" der Musikhalle, bei dem wir zunächst erstmals unseren neuen Song "Zu schön für diese Welt" öffentlich ausprobierten und später von einem örtlichen Jazz-Chor ("Vocal Express"?) zwei Ständchen gesungen bekamen...von hanseatischer Zurückhaltung war jedenfalls nichts zu spüren. Und dank einiger netter Konzertbesucher erhielten wir die richtigen Tipps und angenehme Begleitung für das Hamburger Nachtleben:
Wir kehrten gegen Mitternacht noch in einem Irish Pub auf der Reeperbahn ein (direkt neben dem "Erotic Art Museum", dessen Schwerpunkt allerdings weniger auf "Art" zu liegen scheint) , und es entwickelte sich einer jener Abende, die mittlerweile selten geworden sind: Wir machten endlich mal wieder alle zusammen die Nacht wenigstens partiell zum Tage. Erst gegen 4:30 Uhr morgens liefen wir beschwingt zum Hotel zurück. Vorher genossen wir die Stimmung in der Kneipe, die übrigens fest in angelsächsischer Hand war - ohne englischsprachige Bestellung kein Bier. Eine irische Sängerin und ein englischer Sänger namens Phil sangen im Wechsel bekannte Rock- und Popsongs, und obwohl vielleicht nur ein Drittel der Gäste wirklich zuhörte, legten sich beide dermaßen ins Zeug und waren gesanglich und an der Gitarre so gut, dass wir völlig begeistert waren. Je später der Abend, desto leerer der Pub, desto lockerer wir, und irgendwann wagten wir uns aus unserer Zurückhaltung heraus und gaben noch einige unserer englischen Songs zum besten. Das bescherte uns eine Reihe freier Drinks und Gespräche mit den Sängern und Kellnern; später sangen wir uns mit Phil und den verbliebenen Gästen noch kreuz und quer durch die Popgeschichte. Nicht unbedingt schön, aber laut und irgendwie mehrstimmig. Wirklich ein richtig geiler Abend.
Auch den nächsten Tag - den einzigen freien Tag der Tour - verbrachten wir in Hamburg. Nach dem feucht-fröhlichen Vorabend war von Ferenc den ganzen Tag lang nichts zu sehen. Wahrscheinlich war er noch müde von der Umstellung auf die Sommerzeit....jedenfalls zogen die vier Nochunterdreißgjährigen nachmittags gemeinsam los zum Hamburger Dom. Dieser ist keinesfalls zu verwechseln mit dem Kölner Dom. Der Dom in HH ist eine riesige Kirmes gleich neben dem Millerntor-Stadion des FC St.Pauli. Obwohl es eiskalt und regnerisch war, hielten wir fast zwei Stunden dort aus. Vor allem Sari und Eddi verjubelten einen Haufen Kohle für Irrgarten, Geisterhaus und vor allem für die riesige Achterbahn, auf die sie sich mit Clemens wagten: Die Sitze hingen dabei unter der Schiene, und der Looping war weit harmloser als die Doppelschraube und
sonstige Folterideen.
Das ist die Acht
| Sa., 11.02.2012 | Mannheim |
| So., 12.02.2012 | Mannheim |
| Mo., 13.02.2012 | Freiburg |
| Di., 06.03.2012 | Mainz |
| Mi., 07.03.2012 | Würzburg |










