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Die Bahn kommt

Text und Musik: Daniel "Dän" Dickopf
Arrangement: Edzard Hüneke

Zum Glück reserviert. Großraumwagen. Fensterplatz, Nummer acht.
Der Typ hat widerwillig Platz gemacht.
Hab meine Siebensachen oben verstaut.
Die Frau mit Handy lacht zu laut.
Regen knallt ans Fenster, es geht immer weiter.
"Willkomm'n an Bord!" Jetzt spricht der Zugbegleiter,
der irgendwie nicht richtig sprechen kann,
tut ihm Leid, wir komm'n verspätet an,
das Bistro zwischen der ersten und der zweiten Klasse...
wie ich das alles hasse!

Die Bahn kommt...
...und bringt mich immer weiter weg von dir.
Was mach ich hier?
Die Notbremse flüstert:
"Zieh mich doch und fahr zurück zu ihr!
Was machst du hier?"
(die Bahn kommt)
und ich fahr immer weiter weg von dir...


Draußen Weideland. Sind Kühe wirklich so dumm?
Auf jeden Fall stehn sie ziemlich dumm rum.
Lärm aus dem Walkman auf Platz elf. Ich glaub',
noch drei, vier Jahre, dann ist der Knabe taub.
"Jemand zugestiegen?" - Blanker Hohn!
Seh ich aus, als ob ich in Bielefeld wohn'?
Ich seh dich weinen und lachen und winken.
Ist es Pflicht, im Zug Kaffee zu trinken?
Hab noch kilometerlang zurückgeschaut
und völlig abgebaut...

Die Bahn kommt...
...


Der Schaffner liegt mit einem Fahrgast im Streit.
Sein Wochenendticket hat keine Gültigkeit -
Das macht an 'nem Montag irgendwie Sinn.
Ich schau zur Uhr. Mein Zeitgefühl ist hin.
Mit dir gehn Tage wie im Flug vorbei.
Draußen fährt ein andrer Zug vorbei,
in deine Richtung, und mich packt der Neid.
Minuten dehnen sich zur Ewigkeit.
Im falschen Film von einem schlechten Regisseur,
doch ich weiß wieder, wo ich hingehör':

Die Bahn kommt...
...ich fahr, so schnell es geht, zurück zu dir.
Was hält mich hier?
Alles egal -
mit dem nächsten Zug zurück zu ihr!
Was hält mich hier?
Ich lass alles stehn und liegen
und fahr zurück zu dir.
Die Bahn kommt...

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