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Warten

MUSIK & TEXT: DANIEL „DÄN“ DICKOPF

Ich warte, dass die U-Bahn endlich in den Bahnhof schleicht.
Ich warte, dass mein W-Lan mal Geschwindigkeit erreicht.
Ich warte, dass der Typ vom Kundenservice mich verbindet.
Ich warte, dass der Stau vor meiner Nase mal verschwindet.
Ich warte überall und find' das ziemlich ärgerlich.
Doch am allermeisten warte ich auf dich.

Ich wart vor deiner Tür, weil du nichts anzuziehen hast.
Ich wart auf dich am Bahnhof, denn du hast den Zug verpasst.
Ich wart auf dich im Auto, denn du brauchst noch fünf Minuten.
Was du für "fünf Minuten" hältst, kann ich nur grob vermuten.
Ich warte überall auf dich. Ich wart' und wart' und wart'.
Ich wart' auf dich mit Spinnweben und Bart.

Tick Tock macht die Uhr. Immer wieder wart' ich nur
auf dich und starr aufs Zifferblatt, das gar keine Ziffern hat.
Ich brauch' Geduld und noch viel mehr Gelassenheit,
und vor allem brauche ich: Eine ganze Menge Zeit.

Wir wollen heute essen gehen. Du ziehst dich um. Ich warte.
Im Restaurant da schaust du ewig in die Speisekarte.
Du musst nur kurz zum Klo, ich wart, bis du zurück am Tisch bist.
Dann wart' ich, bis du weißt, ob du Gemüse oder Fisch isst.
Ich warte, bis du aufisst, und dann warte ich noch mehr,
denn du grübelst: Willst du ein Dessert?

Tick Tock macht die Uhr…

Ich weiß so nach und nach, zum Glück, wie ich das Warten überbrück,
weiß mich geistig wegzustehl'n, kann auf litauisch bis tausend zähl'n.
Wenn ich im Kopf Sudokus mach', und über selbst erfund'ne Witze lach',
kill' ich zwar damit viel Zeit, doch du bist noch nicht so weit!

Tick Tock macht die Uhr…

Tick-Tock. Zeit ist Geld. Ich warte ständig wie bestellt
und nicht abgeholt. Dein Zeitgefühl ist falsch gepolt.
Doch ich bleib locker, denn zum Glück bin ich's gewohnt,
und zum Glück bist du ne Frau, auf die es sich zu warten lohnt.

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