Reine und temperierte Stimmung
Wer es bis hierher geschafft hat, der lässt sich so schnell nicht durch Zahlen einschüchtern, oder der hat ein ehrliches Interesse daran, den Unterschied zwischen der temperierten und der reinen Stimmung zu verstehen. Oder beides.
Zahlen bedeuten nichts, solange der Sachverhalt, den sie beschreiben, nicht verständlich wird. In diesem Falle versteht man ihn am Besten, wenn man sich die Unterschiede anhört. Seit kurzem besitzen wir ein Gerät, mit dem man eine reine Stimmung auf einem Klavier simulieren kann. Eddi hat diesen so genannten „Expander“ so programmiert, dass er uns die folgenden Hörbeispiele ausspuckte.
Jeder kennt die Tonleiter, die erklingt, wenn man sie auf einem Klavier spielt. Wenn das Klavier gut gestimmt ist (temperiert!), dann hört sich das so an:
Stimmt man die Intervalle (Sekunde, Terz, Quart, Quint, etc.) streng nach den Frequenz-Verhältnissen, die sich aus der Obertonreihe ergeben, so erhält man eine reine Stimmung und die klingt ungewohnt anders:
Besonders auffällig wird der klangliche Unterschied, wenn man Akkorde spielt. Der C-Dur-Akkord klingt auf dem Klavier so:
Ein C-Dur-Akkord mit reiner Terz und reiner Quinte klingt dagegen so:
Ein besonders schräges Hörbeispiel ergibt sich, wenn man den Expander auf eine Stimmung in reinem C-Dur programmiert und ihn dann ein Fis-Dur spielen lässt. Fis-Dur liegt harmonisch weit entfernt von C-Dur, dass die Intervalle in diesem Fis ziemlich verstimmt sind und das hört sich dann so an:
Jetzt habt ihr eine Vorstellung, warum man auf die Idee kam, Tasteninstrumente temperiert zu stimmen. Dann hört sich das Ganze nämlich wieder viel besser an:










